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Hertha MV – fünf Kandidaten für das Präsidium

Sonntag, den 15.10.2023, steht die nächste Mitgliederversammlung bei Hertha an. Die MV ist nicht nur die beste Gelegenheit, sich mit Herthanern und Herthanerinnen aus allen Ecken (Spandau) und Enden (auch Spandau) persönlich auszutauschen, sie ist auch das höchste Gremium des Vereins. Und deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Vor allem bei der Nachwahl der bis zu vier normalen Präsidiumsmitglieder.

Unser Verein macht schwierige Zeiten durch. Der FKO hat es gestern in einer Nachricht an alle Hertha-Fans angekündigt, die Mitglieder müssen jetzt ein fähiges und robustes Präsidium beauftragen, die Geschicke des Vereins für vorerst ein Jahr zu lenken.

Präsidiumsmitglieder, die nur vier Wochen vor der nächsten Wahl ihr Gesicht in die Kameras halten, kann der Verein genauso wenig brauchen, wie Leute, die Interna an den Glaspalast in die Rudi-Dutschke-Straße kabeln, noch schlimmer, wenn sie die Interessen von Investoren vertreten. Der FKO schreibt klar und zurecht: „Das Präsidium ist unser Bollwerk, um unseren Verein gegen Fremdeinfluss und Attacken von außen zu beschützen.“ 

Vier offene Positionen gibt es im Präsidium zu besetzen. Zwei Kandidierende müssen gewählt werden, wenn wir eine erneute außerordentliche MV in sechs Wochen vermeiden wollen. Fünf Herthaner haben wir aus dem Feld der 21 Bewerberinnen und Bewerber herausgesucht. Diese fünf, die wir auf den Veranstaltungen und in Einzelgesprächen kennengelernt haben, sind aus unserer Sicht besonders für’s Präsidium geeignet:

Kamil Adrian Humen
Sören Kablitz-Kühn
Niklas Lohse
Steffen Toll
Tom Zielaskowski

Großen Dank gilt dem FKO und Hertha für die Vorbereitung der Kennenlernrunden. Vor allem die Kandidierenden-Steckbriefe, die Hertha von allen diesmal veröffentlicht hat, sparen uns eine Menge Arbeit und sind beim Verein viel besser aufgehoben als bei einem OFC.

Wir möchten diesen Artikel dafür nutzen, um die oben genannten fünf Kandidaten nochmal genauer vorzustellen und vielleicht auch Aspekte (aus Fanperspektive) zu zeigen, für die in den bisherigen Wahlformaten kein Platz war. Wir danken ihnen, dass sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen durchzugehen. Ein Klick auf die Namen oben führt direkt zu den Antworten:

Kamil Adrian Humen

Du leitest beruflich eine HR (Human Resources)-/ Personalabteilung. Kannst du kurz erklären, was du da im Berufsalltag genau machst?

Ich bin für alle Personalangelegenheiten am Standort mit rund 400 Mitarbeitenden zuständig. Zusätzlich bin ich noch ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Berlin.
Im Unternehmen bin ich verantwortlich für die lokale HR-Strategie, Durchführung von arbeitsrechtlichen Einzelmaßnahmen wie Einstellungen, Versetzungen und Beendigungen von Arbeitsverhältnissen, Führen von Verhandlungen mit verschiedenen Interessengruppen und Vertretung des Unternehmens vor Arbeitsgerichten. Meine Schwerpunkte sind: Arbeitsrecht, Mitarbeiterführung, Kommunikation und Change-Management.

Kannst du die Fähigkeiten, die du im Job täglich brauchst, auch bei Hertha einbringen? Welche wären das und wie könnten die helfen?

Ich denke, in den Bereichen Arbeitsrecht, Mitarbeiterführung, Kommunikation und Change-Management kann unsere Hertha Unterstützung gebrauchen. Ich habe tiefe Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge (Controlling, Budgetplanung, Finanzen, Buchhaltung, etc.).
Auch als Typ bringe ich die richtigen Werte mit, um den Berliner Weg weiter mitzugestalten (Empathie, Bodenständigkeit, familienorientiert, meinungsstark, wertschätzende offene Art und immer ein offenes Ohr).

Was waren bisher deine Schnittstellen mit den organisierten Hertha-Fans?

Regelmäßiger Austausch zu diversen Themen rund um Hertha, die jedoch deutlich intensiviert werden sollten in Zukunft.

Hertha hat in den letzten Jahren weniger sportlich, sondern mehr durch soziales Engagement von sich reden gemacht. Jetzt wurde kürzlich die CSR-Abteilung aufgelöst. Wie stellt man sicher, dass die sozialen Themen nicht unter den Tisch fallen?

Ich habe keine internen Informationen, warum diese Abteilung aufgelöst wurde. Ich bin mir sicher, dass Hertha weiterhin sich sozial engagieren möchte und damit das Engagement nicht beenden möchte. Ich kenne viele ehrenamtliche Helfer (Bsp.: 1892hilft), die sich mit außerordentlichem Engagement einsetzen. Wenn es der wirtschaftliche Druck war, diese Abteilung derzeit aufzulösen, sind die ehrenamtliche Helfer mehr denn je gefragt, hier weiterhin mit unserer aller Unterstützung aktiv zu sein. Mir liegt persönlich das Thema sehr am Herzen.

Was kannst du in das jetzige Präsidium einbringen, das ihm in der Bewältigung der aktuell großen Aufgaben helfen kann?

Neben dem was oben schon beruflich und persönlich beschrieben wurde, die absolute Leidenschaft für den Verein und der Aufgabe, Überzeugung, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist und ich diesen mitgestalten möchte, aber auch die Zeit, Lust und absoluter Wille, diese ehrenamtliche Position ausüben zu wollen.

Wenn du ein Schwerpunktthema im Präsidium besetzen müsstest, welches wäre das?

Alles rund um das Thema Kommunikation und Nähe zu unseren Fans, unser Verein soll erlebbarer werden, Entscheidungen, Vorgänge, etc. sollen gegenüber uns transparenter kommuniziert werden, etc. Bsp.: Kiez-Training, Hertha-Doku, etc. alles aus meiner Sicht tolle Beispiele, um Hertha und Fans näherzubringen.

Wie stehst du zu 50+1?

Nicht verhandelbar.

Hertha hat in der jüngeren Vergangenheit mit Investoren und deren Methoden zur Einflussnahme auf die Geschicke des Vereins keine guten Erfahrungen gemacht. Auch 777 hat bei anderen Fußballvereinen in ihrem Portfolio gegen den Willen der Mitglieder und Fans eingegriffen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Der Wunsch wäre, wenn wir schon in der Situation sind, derzeit mit Investoren arbeiten zu müssen, dass diese Zusammenarbeit Hand in Hand abläuft, auf Augenhöhe und man unsere Interessen vertritt und berücksichtigt. Ich würde mir eine finanzielle Stabilität bei Hertha wünschen, wo wir unabhängiger wären als derzeit, wo wir den Ton angeben und nicht abhängig sind.

Die nachgewählten Kandidierenden müssen sich bereits in einem Jahr der Wiederwahl stellen. Kann man in so kurzer Zeit überhaupt einen Eindruck hinterlassen?

Tatsächlich schwierig aus meiner Sicht, da man erst einige Zeit benötigen wird, um sich allg. in die Abläufe, Prozesse, Strukturen, etc. einzuarbeiten. Aber schwierig heißt nicht, dass man es nicht versuchen soll, und ich will versuchen, einen positiven bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Hast du die Telefonnummer von Springer-Journalisten und -Journalistinnen auf der Kurzwahltaste?

Nein! Hab ich auch nicht vor.

Sören Kablitz-Kühn

Du engagierst dich bei Geschichte zum Anfassen, einem Geschichtsprojekt über Hertha BSC. Was macht ihr da genau und seit wann gibt es euch?

Das erste Spiel von Hertha BSC hat mein Opa in den 1920er-Jahren gesehen. Seitdem werden in meiner Familie Autogrammkarten, Sammelbilder und Erinnerungsstücke von Hertha BSC gesammelt. Wenn man sich heute diese Ordner mit Erinnerungen aus einem Jahrhundert anschaut, ist das interessant, aber es fehlen die Hintergrundinfos dazu. Ich habe dann vor gut zwei Jahren ehemalige Spieler (bspw. Arne Friedrich, Karl-Heinz Granitza oder Marco Sejna) gefragt, ob sie nicht mal vor einem Kreis von interessierten Herthanerinnen und Herthanern die passenden Anekdoten zu den Bildern erzählen wollen. Ich darf sagen, dass Interesse ist auf beiden Seiten groß und wir haben schon einige tolle Abende mit diesem Projekt erlebt.

Du bist durch deine Arbeit gut vernetzt. Wie könnte das dir im Präsidium von Hertha BSC helfen?

Das Erscheinungsbild von Hertha BSC hat in den vergangenen Jahren erheblich gelitten. Es gilt daher, verlorengegangenes Vertrauen durch viele Gespräche zurückzugewinnen: bei Teilen der Mitgliedschaft und Fans, bei wirtschaftlichen Partnern, der Stadtgesellschaft aber auch in der Politik.

Hertha BSC braucht Freundinnen und Freunde in allen Bereichen. Diese zu gewinnen und was besonders wichtig ist, diese Freundschaften zu pflegen, das ist meine Leidenschaft und auch Stärke. Ich möchte diesen Menschen zeigen, dass Hertha BSC aus den Fehlern der letzten Jahre gelernt hat und die Bereitschaft zeigt, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Dabei ist ein bereits bestehendes Vertrauensverhältnis äußerst hilfreich.

Was waren bisher deine Schnittstellen mit den organisierten Hertha-Fans?

Ich gehe seit Ende der 80er Jahre regelmäßig zu Hertha und war 20 Jahre lang Vorsitzender des HFC Moabit. Wir haben regelmäßig Busse für Auswärtsfahrten organisiert und auch anderen interessierten Fans angeboten. Daraus haben sich immer wieder Schnittstellen auch zu anderen organisierten Hertha Fans ergeben.

Hertha hat in den letzten Jahren weniger sportlich, sondern mehr durch soziales Engagement von sich reden gemacht. Jetzt wurde kürzlich die CSR-Abteilung aufgelöst. Wie stellt man sicher, dass die sozialen Themen nicht unter den Tisch fallen?

Hertha BSC ist mehr als eine Profimannschaft. Hertha ist tief verwurzelt in Berlin, für viele Menschen ist Hertha auch Heimat und Familie. Daraus ergibt sich meines Erachtens auch eine Verpflichtung und Verantwortung.

Es wird nun noch mehr auf uns Mitglieder ankommen. Oft reicht es, wenn eine Person mit viel Elan und Engagement ein Projekt voranbringt. Unser Fanclub hat in einem Kinderhospiz geholfen, beispielsweise kleinere Arbeiten ausgeführt. Einmal im Jahr haben wir die Kinder vom Moabiter Kinderhof mit ins Stadion genommen. Solche Aktionen und Initiativen gibt es noch viel mehr in unserem Verein. Hier sind beispielhaft Initiativen wie “Spendet Becher – rettet Leben” oder Projekte wie “1892hilft“ oder “Herthaner helfen” oder der “Berliner Straßen Cup” zu nennen.

All diese engagierten Mitglieder muss Hertha unterstützen, begleiten und eine Kommunikationsfläche bieten. Wir haben mit Sicherheit viele Mitglieder, die sich ebenfalls einsetzen möchten, es fehlt bisher aber die Möglichkeit des Austauschs dazu. Das würde ich gerne ändern.

Was kannst du in das jetzige Präsidium einbringen, das ihm in der Bewältigung der aktuell großen Aufgaben helfen kann?

Durch meine beruflichen Erfahrungen kann ich einen Beitrag leisten. In 7 Jahren in der CDU-Bundesgeschäftsstelle als persönlicher Referent und später Büroleiter der Parteivorsitzenden Dr. Angela Merkel und in 3 Jahren Leitung des Büros der Bundesschatzmeisterin (aktuell Julia Klöckner) habe ich viel erlebt und noch viel mehr gelernt: Gremienarbeit, Haushaltsfragen, Kommunikation, um nur einige Punkte zu nennen.

Besonders wichtig ist mir allerdings, mit meinem großen Netzwerk in den Bereichen Politik (parteiübergreifend!), Wirtschaft, Sport und Kultur unseren Verein zu unterstützen (s. Frage 2).

Wenn du ein Schwerpunktthema im Präsidium besetzen müsstest, welches wäre das?

Finanzielle Stabilität

Wie stehst du zu 50+1?

50+1 muss erhalten bleiben.

Hertha hat in der jüngeren Vergangenheit mit Investoren und deren Methoden zur Einflussnahme auf die Geschicke des Vereins keine guten Erfahrungen gemacht. Auch 777 hat bei anderen Fußballvereinen in ihrem Portfolio gegen den Willen der Mitglieder und Fans eingegriffen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Tripple 7 ist der derzeitige Investor. Wir werden mit ihm die nächsten Jahre zusammenarbeiten müssen. Deshalb ist eine vertrauensvolle Kommunikation wichtig. Beide Seiten müssen die Erwartungen und Hoffnungen des Partners kennen und respektieren. Nur gemeinsam wird Hertha Erfolg haben und daran sind definitiv beide Seiten interessiert.

Die nachgewählten Kandidierenden müssen sich bereits in einem Jahr der Wiederwahl stellen. Kann man in so kurzer Zeit überhaupt einen Eindruck hinterlassen?

Ich möchte, dass wir in einem Jahr nicht mehr das Berliner Sorgenkind sind und sich das Erscheinungsbild von Hertha spürbar verbessert hat. Der Verein sollte wieder auf allen Ebenen fest in Berlin verwurzelt sein und Optimismus für eine bessere Zukunft vorleben. Berlin soll sehen, Hertha BSC hat verstanden und in der Zwischenzeit hart gearbeitet. Oder kurz gesagt: wir alle sollten in einem Jahr wieder stolz auf unsere Hertha sein können.

Hast du die Telefonnummer von Springer-Journalisten und -Journalistinnen auf der Kurzwahltaste?

Nein.

Niklas Lohse

Du hast gute Kontakte in die Wirtschaft, wie kann Hertha BSC davon profitieren?

Als Einkaufsmanager bin ich Repräsentant meines Unternehmens nach außen und habe mir so über die Jahre Kontakte in vielen unterschiedlichen Branchen und Industrien aufgebaut. Besonders relevant kann hier mein Netzwerk in die Baubranche sein, um das Thema Stadion weiter voranzutreiben (die wirtschaftliche Situation von Hertha BSC darf keine Ausrede sein, um hier nicht trotzdem weiterzumachen). Hier habe ich Kontakte vom Bauleiter bis hin zum Geschäftsführer von deutschen, aber auch internationalen Architektur- und Baufirmen, von denen einige auch schon Fußballstadien errichtet haben. Durch die vielfältigen, unterschiedlichen Einkaufskategorien, die ich die letzten Jahre betreuen durfte, reicht mein Netzwerk aber weit über die Baubranche hinaus.

Wie sehen deine Erfahrungen in der Sanierung von Unternehmen aus? Worauf kommt es da besonders an?

Elementarer Bestandteil einer Sanierung ist u. a. eine wirksame Kostenkontrolle inkl. der Eliminierung aller nicht essentiellen Kosten, ein strategischer Einkauf etc. Zudem umfasst eine Sanierung die strategische Neuausrichtung des Unternehmens und potenzielle Restrukturierungen bzw. Organisationsänderungen. Mit all diesen Themen habe ich mich die letzten Jahre intensiv beschäftigt und kann somit die mittlerweile vorhandene Expertise im Verein rund um das Thema Sanierung sehr gut ergänzen. 

Was waren bisher deine Schnittstellen mit den organisierten Hertha-Fans?

Ich habe eine Dauerkarte seit der Saison 2004/05 und bin kurz nach dessen Gründung in den FKO eingetreten. Über den FKO habe ich dann auch viele Auswärtsspiele besucht, bei Choreos geholfen etc. und so über die Jahre viele Kontakte in die organisierte Fanszene geknüpft. 

Hertha hat in den letzten Jahren weniger sportlich, sondern mehr durch soziales Engagement von sich reden gemacht. Jetzt wurde kürzlich die CSR-Abteilung aufgelöst. Wie stellt man sicher, dass die sozialen Themen nicht unter den Tisch fallen?

Dass Themengebiete, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören, an externe Firmen ausgelagert werden, ist in nahezu allen Unternehmen gängige Praxis und kann aus Kostensicht – wenn man es richtig macht – sinnvoll sein. In der Praxis habe ich einige gute, aber auch viele schlechte Beispiele hierzu gesehen. Der Begriff des Outsourcings ist häufig negativ behaftet. Konzentriert man sich aber darauf, dass soziale Themen nicht unter den Tisch fallen dürfen (und ignoriert für den Moment die menschlichen Schicksale, die hinter dem Auflösen der CSR-Abteilung stecken), kann das Auslagern der Tätigkeiten an eine darauf spezialisierte Agentur durchaus Vorteile bringen. Voraussetzung dafür ist, dass man zum einen den richtigen Partner auswählt und diesem dann klare Vorgaben und smarte Ziele gibt, die anschließend kontinuierlich überprüft werden.

Was kannst du in das jetzige Präsidium einbringen, das ihm in der Bewältigung der aktuell großen Aufgaben helfen kann?

Mit meiner beruflichen Erfahrung kann ich insbesondere in den Bereichen Strategie (Berliner Weg), Kostenmanagement (Sanierung), Vertragsmanagement (Optimierung der Partnerschaft mit 777 Partners) und Außendarstellung unterstützen.

Darüber hinaus bin ich offen für alle anderen Themen, die das jetzige, unterbesetzte Präsidium, kapazitiv nicht auch noch unterstützen kann. Der Berliner Weg umfasst viele Themengebiete, die über die wirtschaftliche Sanierung hinausgehen. Ich habe eine sehr schnelle Auffassungsgabe und kann mich kurzfristig in alle Themen einarbeiten, die Hertha helfen oder wichtig sind.

Wenn du ein Schwerpunktthema im Präsidium besetzen müsstest, welches wäre das?

Unterstützung der Sanierung durch Sicherstellung einer effizienten Kostenstruktur, bspw. durch engmaschige Kostenkontrolle, offene Dialoge mit der Geschäftsführung bzw. zuständigen Direktion über Ausgaben, Beratung zur Einkaufsoptimierung etc. 

Wie stehst du zu 50+1?

50+1 ist die wichtigste Vorschrift, die den ohnehin schon viel zu kommerziellen Profifußball in Deutschland vor Verhältnissen wie bspw. in England schützt. Jede Diskussion zum Kippen von 50+1 ist inakzeptabel.

Hertha hat in der jüngeren Vergangenheit mit Investoren und deren Methoden zur Einflussnahme auf die Geschicke des Vereins keine guten Erfahrungen gemacht. Auch 777 hat bei anderen Fußballvereinen in ihrem Portfolio gegen den Willen der Mitglieder und Fans eingegriffen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Grundvoraussetzung für ein entschlossenes Auftreten gegen zu viel Einflussnahme von außen ist eine starke, geschlossene, organisiert und einheitlich auftretende Mitgliederbasis. Hier sind wir seit einigen Monaten auf einem guten Weg. Genauso wichtig ist es, dass wir echte Herthaner in die Gremien unseres Vereins wählen (nicht nur das Präsidium), die jegliches vereinspolitische Handeln und Entscheidungen dem Wohle von Hertha BSC unterordnen und keinerlei andere Interessen verfolgen.

Auf der anderen Seite ist es aber Fakt, dass wir auf unbestimmte Zeit an 777 Partners gebunden sind. Aus dieser Zusammenarbeit gilt es, das Optimum für Hertha BSC herauszuholen. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir auch zum Investor eine regelmäßige, offene, ehrliche und direkte Kommunikation führen und unsere Erwartungen dabei klar herausstellen.

Die nachgewählten Kandidierenden müssen sich bereits in einem Jahr der Wiederwahl stellen. Kann man in so kurzer Zeit überhaupt einen Eindruck hinterlassen?

Absolut. Das Präsidium ist derzeit unterbesetzt, was zur Folge hat, dass gewisse Themen liegen bleiben. Themen gibt es aber genug. Hier kann man nach erfolgreicher Wahl am Sonntag direkt einspringen und sich dieser Themen annehmen.

Hast du die Telefonnummer von Springer-Journalisten und -Journalistinnen auf der Kurzwahltaste?

Nein. Das würde sich im Falle meiner Wahl auch nicht ändern. Für Gespräche mit Journalisten gibt es die Direktion Kommunikation.

Steffen Toll

Du bist langjähriger Vorsitzender des FKO. Wenn du dann die Seite wechseln solltest und zum Vereinsoffiziellen wirst, was würde sich für dich als Fan verändern?

Es würde sich für mein Engagement inhaltlich nicht so viel ändern, da ich auch bisher schon versucht habe, Dinge zum Wohle des ganzen Vereins zu verändern. Der Förderkreis Ostkurve ist in vielen Punkten Hertha BSC auch schon einige Schritte voraus. Ein aktuelles Beispiel ist die Vorstellungsrunde der Präsidiumskandidaten, die wir seit Jahren im Interesse aller Mitglieder durchführen. Im Falle meiner Wahl müsste ich laut Satzung des FKO als Vorsitzender zurücktreten und aus dem dortigen Vorstand ausscheiden. Das wäre dann eine erkennbare Veränderung.

Hättest du schon konkrete Ideen, wie der Dialog zwischen Verein und Fan funktionieren kann?

Erst mal natürlich die gut funktionierenden Dinge wie den „Fandialog“ weiterführen. Dort sind Vertreterinnen und Vertreter von Verein und Fans in regelmäßigem, konstruktivem Austausch. Wo Handlungsbedarf besteht, sind viele einzelne Projekte, bei denen die Fans und Mitglieder noch mehr eingebunden werden könnten. Hier ist als Beispiel die jährliche Saisoneröffnung zu nennen. Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass wenn die Fans und Mitglieder mit einbezogen werden, deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden und gegenseitiges Verständnis wächst. Das hat über viele Jahre gefehlt. Daher braucht es auch mehr von dieser oftmals sehr kleinteiligen Zusammenarbeit wie aktuell schon in den verschiedenen Arbeitsgruppen.

Was waren bisher deine Schnittstellen mit den organisierten Hertha-Fans?

Als Vorsitzender des Förderkreis Ostkurve bin ich seit Jahren ein Teil der organisierten Fans. Der FKO ist das Bindeglied zwischen allen unterschiedlichen Gruppen, Fanclubs und Einzelpersonen. Es ist auch aktuell der größte Zusammenschluss von Herthafans und vereint viele Leute, die sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit für Hertha engagieren.

Hertha hat in den letzten Jahren weniger sportlich, sondern mehr durch soziales Engagement von sich reden gemacht. Jetzt wurde kürzlich die CSR-Abteilung aufgelöst. Wie stellt man sicher, dass die sozialen Themen nicht unter den Tisch fallen?

Da mache ich mir in unserem Verein keine Sorgen, denn auch auf diesem Gebiet haben wir viele engagierte Mitglieder, die aus eigenem Antrieb handeln und zur Not auch keine Abteilung dafür brauchen. Manche Initiativen könnten sich noch mehr vernetzen und voneinander profitieren. Da könnte der Verein durchaus auch noch mehr behilflich sein, einfach um die Kontakte herzustellen. Und dann muss natürlich auch darüber berichtet werden unter dem Motto: “Tue Gutes und sprich darüber!“ 

Was kannst du in das jetzige Präsidium einbringen, das ihm in der Bewältigung der aktuell großen Aufgaben helfen kann?

Ich bin absoluter Finanzexperte durch meine über 30-jährige Tätigkeit als Vermögensberater bei der Berliner Sparkasse und bei dem Thema haben wir mit Sicherheit den größten Bedarf. Jede Entscheidung muss mit Bedacht getroffen werden, wir können uns hier keine Fehler mehr erlauben. Das Präsidium hat eine herausgehobene Kontrollfunktion gegenüber der KGaA. Diese Kontrollfunktion muss gerade mit Blick auf die Finanzthemen zukünftig deutlich gestärkt werden.

Wenn du ein Schwerpunktthema im Präsidium besetzen müsstest, welches wäre das?

Ich habe mit „Finanzen“ und „Mitglieder“ zwei Schwerpunktthemen, wo es aktuell Bedarf gibt und wo ich aufgrund meines beruflichen Hintergrunds und meines jahrelangen Engagements in der Fanszene meine absoluten Stärken sehe.

Wie stehst du zu 50+1?

Diese Regel, dass der Verein immer mit 50 % plus eine Stimme die Stimmenmehrheit behält, ist meiner Meinung nach die wichtigste Regel im deutschen Profifußball. Auch wenn Investoren wie bei Hertha 777 weit mehr als 50 % der Anteile besitzen, muss der Verein und damit die Mitglieder Herr im eigenen Hause bleiben. Diese Regel darf definitiv nicht aufgeweicht oder gar abgeschafft werden.

Hertha hat in der jüngeren Vergangenheit mit Investoren und deren Methoden zur Einflussnahme auf die Geschicke des Vereins keine guten Erfahrungen gemacht. Auch 777 hat bei anderen Fußballvereinen in ihrem Portfolio gegen den Willen der Mitglieder und Fans eingegriffen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Man muss mit dem Investor natürlich zusammenarbeiten und besser kommunizieren als in der Vergangenheit. Aber es müssen auch klare Grenzen aufgezeigt werden, die vom Investor nicht überschritten werden dürfen. Öffentliche Äußerungen über die Zukunft des Vereins und Einflussnahme auf die Geschicke von Hertha BSC müssen unterbunden werden. Notfalls braucht es dabei auch deutlich vernehmbaren öffentlichen Widerspruch der gewählten Gremien.

Die nachgewählten Kandidierenden müssen sich bereits in einem Jahr der Wiederwahl stellen. Kann man in so kurzer Zeit überhaupt einen Eindruck hinterlassen?

Mir geht es nicht so sehr darum, einen Eindruck zu hinterlassen. Vielmehr möchte ich das dezimierte Präsidium bei den aktuellen Themen tatkräftig unterstützen und damit dem Verein helfen. Wem es nur um sich selbst geht und nicht um den Verein, der ist hier falsch. Das hatten wir in der Vergangenheit genug und wir wissen alle, wo uns diese Haltung hingeführt hat. 

Hast du die Telefonnummer von Springer-Journalisten und -Journalistinnen auf der Kurzwahltaste?

Anfragen dieser Journalisten hatte ich schon viele und habe immer alle abgelehnt.

Tom Zielaskowski

Gibt es etwas, das du in deiner Zeit als Live-Reporter der Hertha-Spiele gelernt hast, dass man auf den Verein übertragen könnte?

Ein klares JA! Was kann ich für andere Menschen tun, damit sie sich wohl fühlen. Wenn wir häufiger unsere ICH-Perspektive verlassen würden, würden wir bemerken, dass man damit nicht nur anderen Menschen helfen kann, sondern obendrein noch etwas für das eigene Wohlbefinden tut. Nicht ICH, sondern WIR!

Bei Hertha ist gerade das Geld knapp und es wird an allen Ecken und Enden gespart. Wie kann der Verein dennoch sein Engagement in Stadt und Gesellschaft aufrechterhalten?

Das Tolle ist, dass man unter der „Hertha-Fahne“ wundervolle Projekte realisieren kann. Viel wichtiger als Geld sind engagierte Herthanerinnen und Herthaner, die kreativ sind und mit Herzblut dabei sind. Und von denen gibt es bei uns mehr als genug! Schaut als Beispiel nur mal auf 1892hilft oder euch selbst. Da muss der Verein gar kein Geld investieren. Und das Geld, das gebraucht wird, kann man über intelligente und vor allem emotionale Ansprache von Unternehmen einsammeln. Wie man das macht, weiß ich und kann es auch umsetzen.

Was waren bisher deine Schnittstellen mit den organisierten Hertha-Fans?

Ich bin Mitglied beim Fanclub „Sehbären“, das sind hauptsächlich sehbehinderte und blinde Hertha-Fans und ihre Unterstützer. Abgesehen davon habe ich Gespräche bei den verschiedensten Gelegenheiten mit organisierten und anderen Fans geführt. Sollte ich gewählt werden, ist der Austausch mit diesen Gruppen für mich sehr wichtig.

Hertha hat in den letzten Jahren weniger sportlich, sondern mehr durch soziales Engagement von sich reden gemacht. Jetzt wurde kürzlich die CSR-Abteilung aufgelöst. Wie stellt man sicher, dass die sozialen Themen nicht unter den Tisch fallen?

Je mehr sportlichen Erfolg wir haben, desto besser sollten unsere wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und desto besser das Image unseres Vereins werden. Ist dies gegeben, fällt es uns viel leichter, Gutes zu tun, weil wir bei allen Interessengruppen leichter Gehör finden. Ansonsten verweise ich auf Frage 2: Wichtig sind engagierte Mitglieder, die wir haben. Vielleicht brauchen wir in Gremien etwa mehr Fokussierung auf soziale Themen, das kann ich aber noch nicht beurteilen.

Was kannst du in das jetzige Präsidium einbringen, das ihm in der Bewältigung der aktuell großen Aufgaben helfen kann?

Viel Lebenserfahrung, umfangreichen wirtschaftlichen Sachverstand, großes Unternehmens-Netzwerk, Verhandlungsstärke gegenüber Unternehmen, soziale Kompetenz, Teamgeist, Überzeugungsstärke und Empathie

Wenn du ein Schwerpunktthema im Präsidium besetzen müsstest, welches wäre das?

Eine Mitgliedschaft im Präsidium wäre eine Ehre für mich und kein persönliches Wunschkonzert. Vielmehr werde ich mich dort einbringen, wo meine Fähigkeiten dem Verein am besten nutzen.

Meine Herzensprojekte sind die Entwicklung der Frauenmannschaft, die Teilhabe für Menschen mit Behinderungen und allgemein unter der Hertha-Fahne Gutes für Menschen tun, die nicht so viel Glück wie ich im Leben hatten.

Aber: Diese Herzensprojekte werden sich dann am besten entwickeln, wenn wir sportlich erfolgreich sind und unsere finanzielle Unabhängigkeit zurückgewinnen.

Wie stehst du zu 50+1?

Grundsätzlich muss der Verein und damit die Mitglieder die Entscheidungsgewalt über die Geschicke des Vereins inklusive der Profiabteilung behalten!

Hertha hat in der jüngeren Vergangenheit mit Investoren und deren Methoden zur Einflussnahme auf die Geschicke des Vereins keine guten Erfahrungen gemacht. Auch 777 hat bei anderen Fußballvereinen in ihrem Portfolio gegen den Willen der Mitglieder und Fans eingegriffen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Sehr schwierige Frage! Eine fundierte Einschätzung kann ich erst geben, wenn ich die Möglichkeit habe, hinter die Kulissen zu schauen.

Grundsätzlich stehe ich Finanzinvestoren bei einem Fußballverein sehr kritisch gegenüber! Das Grunddilemma ist, dass ein Finanz-Investor Kapitalerträge anstrebt, ein Verein jedoch andere Ziele verfolgt. Der Investor will Erträge früher oder später entnehmen. Der Verein will Erträge grundsätzlich im Verein bzw. der GmbH & Co. KG belassen, um den sportlichen Erfolg und alle seine weiteren Ziele abzusichern. Dieses strukturelle Problem ist unlösbar.

Modelle mit Unternehmen als Investoren sind nicht konfliktfrei, aber eher denkbar, da sie i.d.R. nicht Erträge aus der Beteiligung erzielen wollen, sondern ihre Ziele anders erreichen können, ohne den Verein zu schwächen. VW ist (alleiniger) Investor beim VFL Wolfsburg und durch sein Engagement will der Konzern mehr Autos verkaufen. Das ist für Jeden eingängig und nachvollziehbar. Also wenn überhaupt, dann Unternehmen als Investoren, deren Produktportfolio zum Verein passt. Am besten aber: sich unabhängig von Investoren machen und Partnerschaften mit Unternehmen suchen. Das dann aber im Rahmen von Sponsoringmodellen realisieren. Da gibt es auch noch Raum für Innovationen.

Ich befürchte jedoch, dass Unabhängigkeit für uns ein sehr langer Weg wird, denn offensichtlich wurde der Verein in den letzten Jahren in eine so prekäre finanzielle Schieflage manövriert, dass uns die Altlasten noch lange beschäftigen und einengen werden!

Die nachgewählten Kandidierenden müssen sich bereits in einem Jahr der Wiederwahl stellen. Kann man in so kurzer Zeit überhaupt einen Eindruck hinterlassen?

Das ist in der Tat wenig Zeit, – reicht aber aus, um den Mitgliedern zu zeigen, was ich für den Verein tun kann.

Hast du die Telefonnummer von Springer-Journalisten und -Journalistinnen auf der Kurzwahltaste?

Nope…

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